1952,
das publikum: gespannt.
der pianist: sitzt.
das klavier: schweigt.
das notenblatt: leer,
lediglich tacet,
drei sätze lang,
drei lange sätze:
I
tacet
II
tacet
III
tacet
schock für's publikum. ungewissheit. was
passiert gerade? wie lange geht es noch? fast
unerträgliches warten - bedrohlich. 4'33" heißt
das stück und wird zum welterfolg. vorher nie
beachtet, jetzt durchkomponiert:
die stille.
klangphilosoph john cage will zeigen: es gibt
keine stille. stille ist das, was wir hören
wenn wir einmal still sind. kurz vor der
komposition besuchte er eine schalltote kammer
und erkannte: für uns menschen gibt es keine
wahrnehmbare absolute stille. du hörst immer
etwas, nämlich dich selbst. probier's aus. der
hohe ton ist dein nervensystem, der tiefe die
blutzirkulation.
"... no subject, no image, no taste, no object,
no beauty, no message, no talent, no technique
... no idea ..."* robert rauschenberg hatte mit
seinen "white paintings" großen einfluss auf
cage. das nichts als zentraler bildinhalt. so
ergibt sich das nichts als zentraler inhalt von
4'33".
das stück kann beliebig lang sein, aber
interessant ist genau diese länge:
4'33" entspricht 273 sekunden.
zufall oder beabsichtigt,
-273°c, der nullpunkt.
teilchenstillstand.
nichts geht mehr.
absolute
stille
.
aber cages wie auch rauschenbergs leere hat
eine positive seite. es ist die art von leere,
die jeder hörer für sich selbst füllen kann.
sie regt sowohl zuhörer als auch komponisten
an, über musik und stille nachzudenken. der
reiz ist die reaktion des publikums.
*
cage statement zu einer ausstellung von
rauschenbergs white paintings in der stable
gallery, new york, 1953 - quelle