die einfachheit als ästhetik. die funktion
im vordergrund. abwendung von dekoration
und prunk. das aufkommen von maschinen- und
serienproduktion. industrielles kunsthandwerk.
form folgt funktion. mantra der moderne.
adolf loos war der erste, der sich 1908
explizit gegen das ornament aussprach:
"ornament ist verbrechen". es folgt eine
gegenbewegung zur ornamentalen überladung des
späten 19. jahrhunderts und des jugendstils.
loos' haltung findet sich auch in der aussage
"form folgt funktion" des bauhauses wieder. die
unverzierte form setzt sich als ästhetische
lösung durch. eine schönheit der vernünftigen
zweckform.
ab den fünfzigern bis in die neunziger folgte
auch dieter rams dieser design-haltung. als
chefdesigner beim elektrogerätehersteller
braun prägte er mit seinen schlichten
und funktionalistischen designs ganze
produktgenerationen. vom plattenspieler
bis hin zum bügeleisen, die klaren formen
dürfte jeder schon einmal gesehen haben. wenn
auch unbewusst. die funktionalität steht
im vordergrund, nicht der designer. die
kaufhauskette muji ist heute weltweit einer der
größten verfechter der schlichten produkte. von
zahnbürsten über geschirr bis hin zu kleidung
und schreibwaren finden sich dort unzählige
schlichte und funktionelle designs. die
markante philosophie "keine marke, aber gute
qualität" von muji hat ihren ursprung in japan.
wo sonst.
apropos japan: vergleicht man wabi-sabi
mit der westlichen moderne, so tun sich
trotz unterschiedlichster ausgangspunkte
gemeinsammkeiten auf. beide stilrichtungen
verfolgen ein ähnliches ziel. sie gehen
beide aus einer kulturellen und ästhetischen
übersättigung hervor. wabi-sabi und die
moderne haben den verzicht gemein. verzicht
auf verzierung und dekoration, reduktion auf
wenige essentielle elemente. besinnung auf
die schmucklose form. schmucklose formen als
zeitlos gültiges erbe.