es gibt musik, die lärmt und zerstreut. und es
gibt musik, die sammelt. da höre ich klänge,
die sind von einer art stille umfangen. man
braucht viel mut zur stille. denn es ist doch
so: ist der eine fertig, fängt sofort der
nächste an. dauerfeuer. mach das radio an, da
hörst du, was ich meine. es lärmt selbst wenn
die nachrichten vorgelesen werden. hört man
mal drei sekunden lang nichts, bilden sich die
ersten angstperlen auf der stirn der zuhörer.
aber nun zur musik:
es gibt musik, die bezeichne ich als narrativ:
strophe, bridge, refrain, et cetera. solange
das stück läuft, erkenne ich immer nur
den augenblick. was vor mir liegt, liegt
im dunkeln. wenn ich das lied kenne, weiß
ich was vor mir liegt, ich erkenne den
gesamtzusammenhang. die augenblickhaftigkeit
aber bleibt.
und dann gibt es musik, bei der geht es darum,
die gegenwart zu erfahren. da kümmert es dich
nicht was war oder was kommt. techno kennst du
ja. ist doch immer das gleiche, sagst du.
recht hast du:
umzeumzeumzeumzeumzeumzeumzeumzeumzeumzeumzeumze
umzeumzeumzeumzeumzeumzeumzeumzeumzeumzeumzeumze
klar, in der disco gehts nicht um einfachheit.
aber das prinzip ist da: minimal techno.
wieviel kann ich wegnehmen? was muss ich wieder
hinzufügen, damit das lied funktioniert? das
publikum in trance. beat auf beat.
techno magst du nicht? dann nimm minimal
classic, oder die musik des duduk* oder der
shakuhatchi**. anfang, ende, mitte - hat alles
kaum bedeutung. es geht um den erfahrbaren
moment. die reduktion auf weniger lässt uns
die klänge viel stärker wahrnehmen.
das publikum in trance.
der spieler in trance.
du musst dich nur ...
... drauf einlassen.
*
duduk: eine art flöte und armenisches
nationalinstrument.
**
shakuhatchi: von wandermönchen gespielte,
traditionelle japanische bambusflöte.