am anfang war alles eins,
am anfang war eins alles.
vor dem urknall, die zeit vor der zeit: ein
zustand völliger und absoluter harmonie. die
kosmische ursuppe. aber nichts ist von dauer
in unserem kosmos. die teilchen rebellierten,
chaos entstand. aus war's mit der einfachheit.
wie der phönix aus der asche bildeten sich die
ersten planeten. selbst die harmonie braucht
etwas, wovon sie sich abheben kann - einen
gegenpol.
wäre alles einfach, woher wüssten wir dann
was einfach ist? einfachheit ist eine recht
ambivalente materie - wie so vieles in unserem
leben. man kann sie so ziemlich auf jeden
bereich unserer gesellschaft anwenden. genauso
kann man sie überall finden. das macht sie aber
auch umso umfangreicher. und gar nicht mehr
einfach. aber kann einfachheit heute überhaupt
mithalten? heute, wenn alle nur noch schreien.
wer schreit, wer am lautesten ist, gewinnt.
mach die glotze an. da siehst du‘s.
einfachheit kann nicht lauter, besser und
schneller sein. oder doch? vielleicht ist
sie aber auch einfach nur anders. seit der
antike gilt einfachheit als kennzeichen der
wahrheit: "simplex sigullum veri."* in den
erfahrungswissenschaften der neuzeit tritt
einfachheit als methodologisches oder als
ökonomisches prinzip auf. und da vinci sagte
über sie: "einfachheit ist die ultimative
raffinesse."
grund genug also, dass wir uns ein wenig mehr
zeit für sie nehmen sollten. wir sind uns alle
einig: sie ist es wert, dass wir über sie
nachdenken. und sie sogar zum ziel erklären.
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