die gier und ihr lied

"ich will alles, ich will alles, und zwar

sofort ..."* will man mehr, dient es dem genuß.

will man weniger, hat es meist mit arbeit zu

tun. unser mehr-denken verhindert immer mehr,

dass wir mit nicht-materiellen dingen zufrieden

sind. die gier als menschlicher grundtrieb.

verlockung zum glück. glücklich sein durch

mehr haben. die unerträgliche gefräßigkeit

des seins. doch: kein dauererlebnis ohne

genußverschleiß. schon im augenblick der

befriedigung keimt der wunsch nach mehr. der

lustverlust, geradezu vorprogrammiert. die

konsequenz: konsumwahn. david pogue nennt's

"sport-utility-principle": die menschen kaufen

immer mehr als sie brauchen, geschweige

denn nutzen können. sie mögen es, sich mit

überflüssigen dingen zu umgeben.**


daraus resultiert, dass auch immer mehr

angeboten werden muss. angebotsdschungel.

update-wahn. "software-upgrade-paradox" sagt

david pogue dazu.** updates und features können

letztendlich ein produkt ruinieren. der user

zahlt geld für software und updates. der

hersteller sieht sich in der bringschuld. es

muss mehr drin sein für's geld. teufelskreis

der verschlimmbesserung. der user wiederum

braucht die neue software. er könnte ja was

verpassen. das gilt natürlich nicht nur für

software, sondern genauso für jede andere art

von produkt.


und dann kommt da einer, der hats einfach

anders gemacht: steve jobs mit dem ipod.

kontra den erwartungen. technischer fortschritt

mal anders. bei der konkurrenz gibt's mehr

für weniger geld. mehr speicherplatz. mehr

funktionsumfang. aber der ipod hat sich

durchgesetzt. was lernen wir daraus? der

schwierige teil ist nicht, eigenschaften

hinzuzufügen. viel wichtiger ist welche man

bleiben lässt. dazu eine geschichte aus dem

theater, wie sie mir einst ein freund erzählte.

bei den proben: der regisseur will licht.

mehr licht, mehr licht! er will es strahlend,

blendend hell. der techniker tut was er kann,

doch ihm gehen die scheinwerfer aus - und die

geduld. völlig entnervt schaltet der techniker

alle spots aus, bis auf einen. darauf der

regisseur begeistert: "das ist's! so machen

wir's!"


ob software oder theaterstück, die motivation

sollte sein: "simplicity sells."**




*

Anna Gamma (Lasalle Institut)

Interview in der Zuger Presse.

http://www.lassalle-institut.org/files/

pdf-2008/2008-11-05_Zuger%20Presse.pdf


**

TED Talk:

David Pogue says „Simplicity sells“

http://www.ted.com/talks/david_pogue_says_

simplicity_sells.html